„Meine Kinder sollen doch mal sehen, wie früher Landwirtschaft betrieben wurde“ so hieß es bei Jörg Heydt, einem der vier Feldtag-Initiatoren. Zusammen mit Frank Stumm, Andreas Gerhardt und Patrick Schaab hauchten sie dieser Idee Leben ein. Sie wollten die Maschinen vorführen, mit ihnen arbeiten und die Historie aufblühen lassen. Das war vor einem Jahr und wurde zu einem überraschend großen Erfolg, der am 24.August 2015 auf dem Berschweilerer Sportplatzgelände seine Fortsetzung fand.
Zur Vorbereitung des Historischen Feldtages betrieben die Initiatoren erheblichen Aufwand. Zielsicher suchten sie zum Beispiel den Mähdrescher Bautz T600 mit Sackstand im Internet und ergänzten so ihre Sammlung. Jede Menge Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen waren erforderlich.
Tatkräftig in der Programmfolge unterstützt wurden die vier hauptamtlichen Feldtag-Landwirte von ca. 20 weiteren Personen.

Allen voran Anna Jaschok, die Kaltblut Tom vor den Pflug oder den Leiterwagen spannte und damit die Zeit um 60 bis 70 Jahre zurückdrehte. Traktoren der vergangenen Jahrzehnte pflügten mit Ein- und Zweischarpflug, grubberten, mähten Grünfutter mit Mähbalken und Balkenmäher, wendeten Heu, fuhren es zusammen mit dem Sternradwender (Spinne) oder dem Schubrechenwender (Polyp-Hagedorn). Da wurden Bulldogs/Traktoren vor den Mähbinder (Bautz) gespannt, die Garben wurden aufgestellt und mit der Dreschmaschine gedroschen. Alternativ kam auch der neu erworbene Mähdrescher zum Einsatz. Eine Hochdruckballenpresse presste Strohballen, die vollen Getreidesäcke fanden auf dem Erntewagen Platz. Die Schlepperfreunde und Aussteller aus Heimweiler, Hirschfeld, Kastellaun, Limbach, Merxheim, Meddersheim, Simmertal gaben mit ihren ausgestellten Traktoren und Maschinen weitere Einblicke in vergangene landwirtschaftliche Zeiten. Landwirte aus Bergen und Berschweiler präsentierten im Gegenzug zu den historischen Teilen top-aktuelle Landmaschinen. Der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte ist enorm und viele kamen aus dem Staunen nicht heraus. Ein Tageshighlight war die Kartoffelernte. Mit dem Samro-Vorrats- und einem Schwingsiebroder wurden die Kartoffeln „ausgemacht“. „Wie die Möwen einem Fischkutter folgen“, so berichtete Clemens Dorn, der die Veranstaltung moderierte, stürmten die Kinder, die als Erntehelfer eingeladen waren, das Feld und lasen Kartoffeln auf, die sie mit nach Hause nehmen durften. Da konnten die „Bauern“ gar nicht schnell genug vorankommen, um diesem Erntehelfer-Ansturm gerecht zu werden. Die Kinder hatten einen Riesenspaß. Ihnen gefielen auch Heutraktor und Schwalbenhof-Streichelzoo mit Wollschweinen und Kälbchen und die Springburg.

Text auch in der Dorfschelle 36/2015

Das Morgenprogramm eröffneten die Jagdhornbläser Kirn/Hellberg. Hubert Paal, der Ortsbürgermeister der Gemeinde, freute sich, die zahlreichen Besucher zu dieser nicht alltäglichen Veranstaltung in dem beschaulichen Berschweiler begrüßen zu dürfen. Das Programm stellte das Organisationsteam zusammen (Jörg Heydt, Frank Stumm, Patrick Schaab, Andreas Gerhardt). Anna Jaschok zeigte mit Kaltblut Tom die Arbeit mit dem Pferd, zwanzig weitere Helfer aus Berschweiler und anderen Gemeinden führten ebenfalls Landarbeiten anno dazumal vor. Die Interessengemeinschaft „Historischer Feldtag“ (Gesangverein, Landfrauen und Sportverein Berschweiler, Landgasthaus Schmidthöfer, Demeterbetrieb Schwalbenhof e.V. und Andere) unterstützte die Veranstaltung und kümmerte sich um die Bewirtung. Hand in Hand arbeiteten alle Teams miteinander. Viele Kuchenbäcker aus Berschweiler, einige auch aus Nachbargemeinden, spendeten fürs Kuchenbuffet. Frischer Hefekuchen wurde von einer Gruppe noch am Sonntagmorgen gemeinsam gebacken. Die Strohrestaurant-Belegschaft hatte sich sogar einheitliche Kleidung genäht. Jede Menge Arbeit steckte schon in der Vorbereitung. Nur so war es möglich, die ca. 1.500 Gäste in dem kleinen Dorf bewirten zu können. Für die Moderation des Tagesprogramms wurde Landwirt Clemens Dorn eingespannt, der wunderbar alle Arbeitsgänge fachmännisch erklärte und das Publikum informierte.
Wunderbares Wetter, Zelte und Strohrestaurant mit Rundballen-Stehtischen zum Verweilen, leckeres Essen, ein abwechslungsreiches, vielfältiges Programm, begeisterte Gäste und die spürbare Teamarbeit machten den Historischen Feldtag zu einer sehr gelungenen Veranstaltung, auf die ein so kleines Dorf wie Berschweiler stolz sein kann. Dafür ein großes Lob und herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen. Ohne sie hätte die Veranstaltung nicht stattfinden können.

Text auch in der Dorfschelle 36/2015